Samstag, 23. Juli 2022
Vielleicht
sogesehen, 17:23h
Vielleicht hätte ich Dich gerne öfter gesehen,
wäre mit Dir spazieren gegangen oder shoppen.
Vielleicht hätten wir im Café gesessen
und uns Geschichten aus dem Leben erzählt.
Vielleicht hätte ich Dich öfter besucht,
Dir ein Geschenk mitgebracht und
mich darüber gefreut, wie Du Dich freust.
Vielleicht wären wir auf Reisen gewesen,
hätten die Welt erkundet und
uns neue Orte und Dinge angeschaut.
Vielleicht hätten wir uns zum Konzert verabredet,
wären beschwingt wieder hinaus gegangen.
Vielleicht hätten wir gemeinsam einen Kurs besucht,
Yoga oder Töpfern gelernt oder Sprachen geübt.
Vielleicht hätten wir öfter zusammen gekocht,
mit gesunden Zutaten aus regionalem Bio-Anbau.
Vielleicht hättest Du mir nicht die neue Brille,
die Waschmaschine oder die Schuhe gekauft.
Vielleicht wäre ich nicht so krank geworden,
wenn ich es mir hätte leisten können,
Körper, Seele und Geist mit guten Dingen zu nähren.
Vielleicht wäre alles anders gekommen,
hätte ich keine Kinder bekommen und
sie alleine groß gezogen.
Vielleicht hätte ich dann eine Rente,
mit der ich würdevoll sterben könnte.
...
wäre mit Dir spazieren gegangen oder shoppen.
Vielleicht hätten wir im Café gesessen
und uns Geschichten aus dem Leben erzählt.
Vielleicht hätte ich Dich öfter besucht,
Dir ein Geschenk mitgebracht und
mich darüber gefreut, wie Du Dich freust.
Vielleicht wären wir auf Reisen gewesen,
hätten die Welt erkundet und
uns neue Orte und Dinge angeschaut.
Vielleicht hätten wir uns zum Konzert verabredet,
wären beschwingt wieder hinaus gegangen.
Vielleicht hätten wir gemeinsam einen Kurs besucht,
Yoga oder Töpfern gelernt oder Sprachen geübt.
Vielleicht hätten wir öfter zusammen gekocht,
mit gesunden Zutaten aus regionalem Bio-Anbau.
Vielleicht hättest Du mir nicht die neue Brille,
die Waschmaschine oder die Schuhe gekauft.
Vielleicht wäre ich nicht so krank geworden,
wenn ich es mir hätte leisten können,
Körper, Seele und Geist mit guten Dingen zu nähren.
Vielleicht wäre alles anders gekommen,
hätte ich keine Kinder bekommen und
sie alleine groß gezogen.
Vielleicht hätte ich dann eine Rente,
mit der ich würdevoll sterben könnte.
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Mittwoch, 6. Juli 2022
Im Kopf
sogesehen, 14:32h
Er hatte es geahnt. Bereits letzte Woche war die Patientin fast vom Stuhl gesprungen. Ihre panische Angst vor jeglicher Form der Behandlung bereitete ihm Unbehagen. Er war Zahnarzt geworden, um eben nicht mit den Leuten diskutieren zu müssen. Sie sollten sich in seine Hände begeben und gut. Doch Frau K. war ein Spezialfall. Bei ihr war er gezwungen zu reden. Beruhigende Worte zu sagen und ihre genuschelten Nöte inhaltlich zu verstehen.
Die Stuhlassistentin reichte der Patientin einen Becher mit Mundwasser. Er griff zum Bohrer. Frau K. würde reagieren. Und plötzlich war es da. Dieses Pfeifen in seinem rechten Ohr. Ein hochfrequenter Ton, der selbst das Geräusch des Bohrers übertönen würde.
Frau K. öffnete den Mund. Die Helferin hängte ihr den Absaugschlauch in den Mundwinkel. Der Bohrer näherte sich dem zu behandelnden Zahn. Frau K. zuckte. Das Pfeifen in seinem Ohr wechselte nach links. Auf beiden Seiten Tinnitus? Das war neu. Frau K. griff nach seinem Kittel. Selbst die beruhigende Hand der Assistentin auf dem Unterarm der Patientin konnte diese aus der Panik geborene Handlung nicht verhindern.
Dr. Beck schaute die Helferin an. Er blickte Frau K. tief in die Augen und stellte den Bohrer zurück in die Halterung. "So geht das nicht, Frau K. Bitte lassen sie mich los." Erst in diesem Moment realisierte die Angesprochene ihr Tun, ließ den Kittel los und der Zahnarzt stand auf. Er wusste, dass er es jetzt tun musste. Andernfalls wäre sein Tag ein Tag mit geräuschvollem Kopf. Wortlos verließ er den Raum.
Im Pausenraum nebenan entledigte sich Dr. Beck der Handschuhe und chirurgischen Maske. Er schob den schweren Sessel von der Wand weg in die Mitte des Raumes und beugte sich hinunter. Sein Kopf berührte den Boden. Die Beine schlug er an der Wand hoch, stützte sich mit den Händen seitlich neben dem Kopf ab. Die Assistentin würde die Patientin beruhigen, soviel war sicher.
Blut strömte vermehrt in sein Innenohr. Atmen. Durchbluten lassen. Tief einatmen, langsam ausatmen. Ob er diesem Tinnitus jemals Herr werden würde? Langsam bezweifelte er das. Mit jedem angstbeladenen Patienten wurde es schlimmer. Seine Kopfunter-Aufenthalte im Pausenraum häuften sich in beunruhigender Weise. Ob er doch mal einen Spezialisten aufsuchen sollte? Atmen nicht vergessen. Das innere Ohr durchbluten lassen.
Allmählich schwächte sich das Pfeifen in seinem Kopf ab. Der Stress ließ nach. Noch eine Minute, dann wäre es geschafft. Dann würde er sich der Herausforderung der Patientin erneut stellen.
Als er langsam seine Füße zu Boden senkte, zum Stehen kam und sich aufrichtete, war das Pfeifen in seinen Ohren beinahe verschwunden. Er wusch seine Hände, streifte frische Handschuhe darüber, setzte die Maske auf und ging entschlossen zurück in den Behandlungsraum.
... Oriri
Die Stuhlassistentin reichte der Patientin einen Becher mit Mundwasser. Er griff zum Bohrer. Frau K. würde reagieren. Und plötzlich war es da. Dieses Pfeifen in seinem rechten Ohr. Ein hochfrequenter Ton, der selbst das Geräusch des Bohrers übertönen würde.
Frau K. öffnete den Mund. Die Helferin hängte ihr den Absaugschlauch in den Mundwinkel. Der Bohrer näherte sich dem zu behandelnden Zahn. Frau K. zuckte. Das Pfeifen in seinem Ohr wechselte nach links. Auf beiden Seiten Tinnitus? Das war neu. Frau K. griff nach seinem Kittel. Selbst die beruhigende Hand der Assistentin auf dem Unterarm der Patientin konnte diese aus der Panik geborene Handlung nicht verhindern.
Dr. Beck schaute die Helferin an. Er blickte Frau K. tief in die Augen und stellte den Bohrer zurück in die Halterung. "So geht das nicht, Frau K. Bitte lassen sie mich los." Erst in diesem Moment realisierte die Angesprochene ihr Tun, ließ den Kittel los und der Zahnarzt stand auf. Er wusste, dass er es jetzt tun musste. Andernfalls wäre sein Tag ein Tag mit geräuschvollem Kopf. Wortlos verließ er den Raum.
Im Pausenraum nebenan entledigte sich Dr. Beck der Handschuhe und chirurgischen Maske. Er schob den schweren Sessel von der Wand weg in die Mitte des Raumes und beugte sich hinunter. Sein Kopf berührte den Boden. Die Beine schlug er an der Wand hoch, stützte sich mit den Händen seitlich neben dem Kopf ab. Die Assistentin würde die Patientin beruhigen, soviel war sicher.
Blut strömte vermehrt in sein Innenohr. Atmen. Durchbluten lassen. Tief einatmen, langsam ausatmen. Ob er diesem Tinnitus jemals Herr werden würde? Langsam bezweifelte er das. Mit jedem angstbeladenen Patienten wurde es schlimmer. Seine Kopfunter-Aufenthalte im Pausenraum häuften sich in beunruhigender Weise. Ob er doch mal einen Spezialisten aufsuchen sollte? Atmen nicht vergessen. Das innere Ohr durchbluten lassen.
Allmählich schwächte sich das Pfeifen in seinem Kopf ab. Der Stress ließ nach. Noch eine Minute, dann wäre es geschafft. Dann würde er sich der Herausforderung der Patientin erneut stellen.
Als er langsam seine Füße zu Boden senkte, zum Stehen kam und sich aufrichtete, war das Pfeifen in seinen Ohren beinahe verschwunden. Er wusch seine Hände, streifte frische Handschuhe darüber, setzte die Maske auf und ging entschlossen zurück in den Behandlungsraum.
... Oriri
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Samstag, 11. Juni 2022
Merkwürdige Geschichte
sogesehen, 10:45h
Eine Polizistin spricht mich an. Auf nächtlicher Straße, mitten in Frankfurt. Was will sie von mir? Überhaupt, wie sieht sie denn aus? Das ist doch keine deutsche Uniform. Ihr Käppi erinnert mich an Schottland, an schottische Beamte.
Was sie fragt oder sagt, dringt nicht zu mir durch. Als hätte ich mein Gehör verloren. Oder den Verstand ausgeschaltet. Dennoch antworte ich freundlich und im gleichen Augenblick verwandelt sie sich. Wird zu einer amerikanischen Touristin und bittet mich um eine Stadtführung.
Woher weiß sie, dass ich Gästeführerin bin? Ich bin verwirrt, irritiert und misstrauisch. Doch sie, die Touristin, schleppt mich zur nahegelegenen Touristinformation. Die Räumlichkeiten darin irritieren mich noch mehr. Sie sind diametral entgegengesetzt den Gebäuden dieser Stadt. Hier ist alles hochmodern ausgestattet. Ein "Office", das sich so mancher erträumen würde. Aber auch: sachlich, kühl, distanziert. Wie das Personal.
Die Touristin will mich hier offiziell buchen. Ich erkläre, dass ich nicht gemeldet bin. Ja, dann geht das nicht, ist die kühle, klare Absage der Sachbearbeiterin des Büros. Aber ich könne ja selbst ... Okay, dann bin ich, sind wir, nicht versichert. Der Touristin ist das egal. Sie will mich für die Führung.
Zurück auf der Straße im nächtlichen Dämmerlicht, schaue ich mich um. Ich erkenne gar nichts. Nicht die Straße und schon gar nicht die Gebäude. Die sind alle groß, wuchtig und sehr grau. Dunkelgrau. Mächtige Häuser, die die Straße säumen bis hinauf zu einem höher gelegenen Platz mit noch mehr dieser geisterhaften, erdrückenden Architektur.
Die Touristin fragt mich nach berühmten Persönlichkeiten der Stadt. Ich habe keine Ahnung. Das hier ist nicht mein Frankfurt. Es ist eine alte Großstadt, die mich an irgendwas erinnert, aber ich komme nicht drauf, woran. Die Amerikanerin, die sehr gut deutsch spricht, obwohl wir uns wechselweise mal in ihrer, mal in meiner Muttersprache unterhalten, will nun auch noch etwas über die architektonische Geschichte der Stadt erfahren. Wieder muss ich passen und ich frage mich, weshalb sie mich nicht längst gefeuert hat. Mein Honorar ist garantiert hin, so unwissend, wie ich bin. Nicht einmal die Stadt, den Ort, erkenne ich. Dass er mich an Edinburgh erinnert, kommt mir erst Tage später in den Sinn.
Sie will jetzt weiter und meint, eine Abkürzung zu kennen. Doch der Weg endet in einer Sackgasse in der Jugendliche rumhängen, die auch nicht weiter wissen.
Wenigstens auf meinen Orientierungssinn ist Verlass und ich führe uns zurück zur Hauptstraße. Unterwegs verliert sich die Touristin im Irgendwo und ich wache auf. Die Bilder der Stadt brennen sich in mein Tagesbewusstsein und verfolgen mich noch tagelang.
...
Was sie fragt oder sagt, dringt nicht zu mir durch. Als hätte ich mein Gehör verloren. Oder den Verstand ausgeschaltet. Dennoch antworte ich freundlich und im gleichen Augenblick verwandelt sie sich. Wird zu einer amerikanischen Touristin und bittet mich um eine Stadtführung.
Woher weiß sie, dass ich Gästeführerin bin? Ich bin verwirrt, irritiert und misstrauisch. Doch sie, die Touristin, schleppt mich zur nahegelegenen Touristinformation. Die Räumlichkeiten darin irritieren mich noch mehr. Sie sind diametral entgegengesetzt den Gebäuden dieser Stadt. Hier ist alles hochmodern ausgestattet. Ein "Office", das sich so mancher erträumen würde. Aber auch: sachlich, kühl, distanziert. Wie das Personal.
Die Touristin will mich hier offiziell buchen. Ich erkläre, dass ich nicht gemeldet bin. Ja, dann geht das nicht, ist die kühle, klare Absage der Sachbearbeiterin des Büros. Aber ich könne ja selbst ... Okay, dann bin ich, sind wir, nicht versichert. Der Touristin ist das egal. Sie will mich für die Führung.
Zurück auf der Straße im nächtlichen Dämmerlicht, schaue ich mich um. Ich erkenne gar nichts. Nicht die Straße und schon gar nicht die Gebäude. Die sind alle groß, wuchtig und sehr grau. Dunkelgrau. Mächtige Häuser, die die Straße säumen bis hinauf zu einem höher gelegenen Platz mit noch mehr dieser geisterhaften, erdrückenden Architektur.
Die Touristin fragt mich nach berühmten Persönlichkeiten der Stadt. Ich habe keine Ahnung. Das hier ist nicht mein Frankfurt. Es ist eine alte Großstadt, die mich an irgendwas erinnert, aber ich komme nicht drauf, woran. Die Amerikanerin, die sehr gut deutsch spricht, obwohl wir uns wechselweise mal in ihrer, mal in meiner Muttersprache unterhalten, will nun auch noch etwas über die architektonische Geschichte der Stadt erfahren. Wieder muss ich passen und ich frage mich, weshalb sie mich nicht längst gefeuert hat. Mein Honorar ist garantiert hin, so unwissend, wie ich bin. Nicht einmal die Stadt, den Ort, erkenne ich. Dass er mich an Edinburgh erinnert, kommt mir erst Tage später in den Sinn.
Sie will jetzt weiter und meint, eine Abkürzung zu kennen. Doch der Weg endet in einer Sackgasse in der Jugendliche rumhängen, die auch nicht weiter wissen.
Wenigstens auf meinen Orientierungssinn ist Verlass und ich führe uns zurück zur Hauptstraße. Unterwegs verliert sich die Touristin im Irgendwo und ich wache auf. Die Bilder der Stadt brennen sich in mein Tagesbewusstsein und verfolgen mich noch tagelang.
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Montag, 6. Juni 2022
Nur mal eben schnell
sogesehen, 20:16h
Ich gebe ja zu, ich schau mir gerne Videos mit sogenannten Lifehacks an. Ab und zu ist wirklich ein interessanter Tipp dabei, der meinen Haushalt optimieren hilft. Letztens sah ich einen, in dem eine Zahnbürste verwendet wurde, um den Abfluss im Waschbecken zu reinigen. Nun, alte Zahnbürsten habe ich genug. Die sammle ich. Weil man damit Schuhe putzen oder Rillen von irgendwas reinigen kann. Also krame ich eine der abgelegten Bürsten raus und mache mich an den Abfluss des Waschbeckens. Der ist mir schon länger ein Dorn im Auge und ich will nicht schon wieder die chemische Keule einsetzen. Klappt auch ganz gut. Zusammen mit einem Putzmittel sehen die ersten zehn Zentimeter des Rohres schon recht manierlich aus. Wasser marsch und nachgespült!
Doch die Quittung kommt prompt. Das Wasser fliesst nicht ab! Nur mal eben schnell das Rohr mit der Zahnbürste reinigen? Leider nein. Ich habe den ganzen Schmodder nur nach unten geschoben und jetzt steht das dreckige Wasser mit Flöckchen sechs Zentimeter hoch im Waschbecken. Keine Chance, es abfließen zu lassen. Da hilft auch der Pümpel nicht. Es kommt, wie es kommen musste und was ich so dringend zu vermeiden gesucht habe: Ich muss den Siphon reinigen. Gibt es eine ekligere Angelegenheit? Für mich nicht.
Also erstmal die Ecke unter dem Waschbecken freiräumen. Gummihandschuhe anziehen und ein Eimerchen unter den Siphon stellen. Brauche ich eine Rohrzange? Hoffentlich nicht. Es gibt so Spezialisten, die alle Verschlüsse extrafest zuschrauben, um Frauen zur Verzweiflung zu bringen. Ich habe Glück. Die Überwurfmuttern lassen sich super leicht abschrauben. Der Eimer steht bereit, ein Putzlappen ist in der Nähe. Vorsichtig ruckle ich am senkrechten Ablaufrohr. Auch das waagerechte Rohr, das in die Muffe in der Wand mündet, lässt sich recht leicht bewegen. Gut so. Jetzt kommt der Moment, wo das schmodderige Wasser aus dem Waschbecken in den Eimer fließen soll.
Ich ziehe das senkrechte Rohr nach unten und ein Schwall Wasser-mit-Bröckchen formt sich zu einer Halbkugel mit 50 Zentimetern Durchmesser, die wie ein Pilzhut geformt, alles beregnet, was sich in ihrem Dunstkreis befindet. Die Wände, der Boden, der Teppich vor dem Becken, meine Beine, die Arme und das Shirt. So schnell kann ich gar nicht reagieren, wie ich nass werde. Erschrocken schiebe ich das Rohr wieder hinauf, versuche es ein zweites Mal. Es ist noch genug Wasser im Becken, um erneut einen Wasserpilzhut zu produzieren und mich jetzt bis auf die Haut zu durchnässen.
Schmuddelwasser fließt unter den Badezimmerschrank, füllt den Teppich auf dem ich kniee. Okay, den wollte ich sowieso die Tage in die Waschmaschine stecken. Zum Glück habe ich noch meine Ich-häng-ein-bisschen-rum-Klamotten an. Die kommen dann halt auch in die Maschine. Jetzt heißt es erstmal, den Boden aufzuwischen. Gut, dass ich die Handschuhe schon angezogen habe. Schmuddelwasser mit Staubflocken aus den Ecken und unter dem Schrank aufwischen - so habe ich mir mein Feiertagsprogramm eigentlich nicht vorgestellt.
Der Siphon ist abgeschraubt, in drei Teile zerlegt und im Waschbecken abgelegt. Glücklicherweise riecht er nicht. Da hat die chemische Keule vor einigen Monaten wohl doch etwas bewirkt. Ich spüle die Teile schon mal durch. Das Eimerchen ist voll. Der Inhalt wandert platschend in die Toilette, bevor es seinen Platz unter dem offenen Abfluss wieder einnimmt. Nun folgt der unangenehmste Teil - das gründliche Reinigen der drei Teile des Siphons. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mich schon vor Jahren für einen Badreiniger entschieden habe, der meinem Geruchssinn schmeichelt. Zusammen mit der alten Zahnbürste kommt er nun zum Einsatz. Rohre innen einsprühen, schrubben, spülen. Kontrollieren. Einsprühen, schrubben, spülen. Ups, ein Dichtungsring. Beinahe wäre er im Eimer gelandet. Das wäre was geworden. Ein undichter Waschbeckenabfluss ist eine Horrorvorstellung.
Warum ist da eigentlich Sand im unteren Teil des Siphons? Ach ja, meine Vormieter hatten Kinder. Gepaart mit Haaren oder was auch immer das ist, was da so einen starken Zusammenhalt produziert, in dunkelgrau aber immer noch geruchsneutral, wandert der Schmodder in den Eimer und dann in die Toilette. Der Siphon sieht innen und außen gut aus. Aber was ist mit der Muffe, die aus der Wand ragt? Da hängt was raus, so etwas dunkelgrau verfilztes, ekliges. Noch einmal kommt die Zahnbürste zum Einsatz. Ist schon praktisch so ein Tipp aus dem Internet. Die Bürste landet nämlich gleich einfach im Müll, wie die Handschuhe.
Ein letztes Mal das Eimerchen leeren und dann den Siphon wieder montieren. Nicht zu fest verschrauben und den Dichtungsring nicht vergessen! Testweise das Wasser laufen lassen. Alles gut. Alles dicht. Das wäre geschafft und der Abfluss von meinem Waschbecken ist so sauber, dass man durch ihn bis auf die Straße gucken kann.
Jetzt muss ich nur noch eine halbe Stunde Toilette, Boden und Waschbecken putzen, den durchtränkten Teppich beiseite räumen, meine nassen Kleider ausziehen und mich selbst reinigen. Der Wäscheständer nimmt auf, was eben noch an mir hing. Morgen wird die Waschmaschine laufen. Heute habe ich nur mal eben schnell den Abfluss gereinigt.
...
Doch die Quittung kommt prompt. Das Wasser fliesst nicht ab! Nur mal eben schnell das Rohr mit der Zahnbürste reinigen? Leider nein. Ich habe den ganzen Schmodder nur nach unten geschoben und jetzt steht das dreckige Wasser mit Flöckchen sechs Zentimeter hoch im Waschbecken. Keine Chance, es abfließen zu lassen. Da hilft auch der Pümpel nicht. Es kommt, wie es kommen musste und was ich so dringend zu vermeiden gesucht habe: Ich muss den Siphon reinigen. Gibt es eine ekligere Angelegenheit? Für mich nicht.
Also erstmal die Ecke unter dem Waschbecken freiräumen. Gummihandschuhe anziehen und ein Eimerchen unter den Siphon stellen. Brauche ich eine Rohrzange? Hoffentlich nicht. Es gibt so Spezialisten, die alle Verschlüsse extrafest zuschrauben, um Frauen zur Verzweiflung zu bringen. Ich habe Glück. Die Überwurfmuttern lassen sich super leicht abschrauben. Der Eimer steht bereit, ein Putzlappen ist in der Nähe. Vorsichtig ruckle ich am senkrechten Ablaufrohr. Auch das waagerechte Rohr, das in die Muffe in der Wand mündet, lässt sich recht leicht bewegen. Gut so. Jetzt kommt der Moment, wo das schmodderige Wasser aus dem Waschbecken in den Eimer fließen soll.
Ich ziehe das senkrechte Rohr nach unten und ein Schwall Wasser-mit-Bröckchen formt sich zu einer Halbkugel mit 50 Zentimetern Durchmesser, die wie ein Pilzhut geformt, alles beregnet, was sich in ihrem Dunstkreis befindet. Die Wände, der Boden, der Teppich vor dem Becken, meine Beine, die Arme und das Shirt. So schnell kann ich gar nicht reagieren, wie ich nass werde. Erschrocken schiebe ich das Rohr wieder hinauf, versuche es ein zweites Mal. Es ist noch genug Wasser im Becken, um erneut einen Wasserpilzhut zu produzieren und mich jetzt bis auf die Haut zu durchnässen.
Schmuddelwasser fließt unter den Badezimmerschrank, füllt den Teppich auf dem ich kniee. Okay, den wollte ich sowieso die Tage in die Waschmaschine stecken. Zum Glück habe ich noch meine Ich-häng-ein-bisschen-rum-Klamotten an. Die kommen dann halt auch in die Maschine. Jetzt heißt es erstmal, den Boden aufzuwischen. Gut, dass ich die Handschuhe schon angezogen habe. Schmuddelwasser mit Staubflocken aus den Ecken und unter dem Schrank aufwischen - so habe ich mir mein Feiertagsprogramm eigentlich nicht vorgestellt.
Der Siphon ist abgeschraubt, in drei Teile zerlegt und im Waschbecken abgelegt. Glücklicherweise riecht er nicht. Da hat die chemische Keule vor einigen Monaten wohl doch etwas bewirkt. Ich spüle die Teile schon mal durch. Das Eimerchen ist voll. Der Inhalt wandert platschend in die Toilette, bevor es seinen Platz unter dem offenen Abfluss wieder einnimmt. Nun folgt der unangenehmste Teil - das gründliche Reinigen der drei Teile des Siphons. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mich schon vor Jahren für einen Badreiniger entschieden habe, der meinem Geruchssinn schmeichelt. Zusammen mit der alten Zahnbürste kommt er nun zum Einsatz. Rohre innen einsprühen, schrubben, spülen. Kontrollieren. Einsprühen, schrubben, spülen. Ups, ein Dichtungsring. Beinahe wäre er im Eimer gelandet. Das wäre was geworden. Ein undichter Waschbeckenabfluss ist eine Horrorvorstellung.
Warum ist da eigentlich Sand im unteren Teil des Siphons? Ach ja, meine Vormieter hatten Kinder. Gepaart mit Haaren oder was auch immer das ist, was da so einen starken Zusammenhalt produziert, in dunkelgrau aber immer noch geruchsneutral, wandert der Schmodder in den Eimer und dann in die Toilette. Der Siphon sieht innen und außen gut aus. Aber was ist mit der Muffe, die aus der Wand ragt? Da hängt was raus, so etwas dunkelgrau verfilztes, ekliges. Noch einmal kommt die Zahnbürste zum Einsatz. Ist schon praktisch so ein Tipp aus dem Internet. Die Bürste landet nämlich gleich einfach im Müll, wie die Handschuhe.
Ein letztes Mal das Eimerchen leeren und dann den Siphon wieder montieren. Nicht zu fest verschrauben und den Dichtungsring nicht vergessen! Testweise das Wasser laufen lassen. Alles gut. Alles dicht. Das wäre geschafft und der Abfluss von meinem Waschbecken ist so sauber, dass man durch ihn bis auf die Straße gucken kann.
Jetzt muss ich nur noch eine halbe Stunde Toilette, Boden und Waschbecken putzen, den durchtränkten Teppich beiseite räumen, meine nassen Kleider ausziehen und mich selbst reinigen. Der Wäscheständer nimmt auf, was eben noch an mir hing. Morgen wird die Waschmaschine laufen. Heute habe ich nur mal eben schnell den Abfluss gereinigt.
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Freitag, 29. April 2022
Hinter den Gedanken
sogesehen, 10:46h
Am Ende steht immer: "Was hast Du aus Dir gemacht?" Diese Frage läutet ein Verstehen ein, das Dich um Dich selbst herumwirbelt: "Bin ich so? Bin ich anders?"
Das Rätsel der eigenen Person zu begreifen steht im Raum.
Du forderst Dich selbst heraus. Öffnest die inneren Tore der Vergangenheit und betrachtest Dich in einem Spiegel, der alles verzerrt, was jemals in deinem Leben wahr war.
Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Kein Gut oder Böse.
Du ahnst, dass die Welten in Dir sind, wie sie sind.
Wirst Du Dich in diesem "Nichts" wiederfinden? Dich selbst erkennen können, in dem, was nicht bewertet ist?
Diese Gedanken lassen Dich innerlich zusammenzucken. Heißt es doch, dass alles, was Du bisher über Dich gedacht hast, in Frage gestellt wird.
"Was hast Du aus Dir gemacht?"
Ein Seufzen entweicht deiner Brust und mit einem Mal fließen Tränen. Tränen der Erinnerung. Tränen des Erwachens.
Du bist weit mehr als das, was Du denkst. Du fühlst. Du atmest.
Du schließt Dich in Dich selbst ein und wiegst Dich in Deinen Gefühlen - wie Blätter im Wind.
Ganz leise steigt es in Dir auf. Das Wissen um Dich selbst. Ohne Worte. Einfach.
...
Das Rätsel der eigenen Person zu begreifen steht im Raum.
Du forderst Dich selbst heraus. Öffnest die inneren Tore der Vergangenheit und betrachtest Dich in einem Spiegel, der alles verzerrt, was jemals in deinem Leben wahr war.
Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Kein Gut oder Böse.
Du ahnst, dass die Welten in Dir sind, wie sie sind.
Wirst Du Dich in diesem "Nichts" wiederfinden? Dich selbst erkennen können, in dem, was nicht bewertet ist?
Diese Gedanken lassen Dich innerlich zusammenzucken. Heißt es doch, dass alles, was Du bisher über Dich gedacht hast, in Frage gestellt wird.
"Was hast Du aus Dir gemacht?"
Ein Seufzen entweicht deiner Brust und mit einem Mal fließen Tränen. Tränen der Erinnerung. Tränen des Erwachens.
Du bist weit mehr als das, was Du denkst. Du fühlst. Du atmest.
Du schließt Dich in Dich selbst ein und wiegst Dich in Deinen Gefühlen - wie Blätter im Wind.
Ganz leise steigt es in Dir auf. Das Wissen um Dich selbst. Ohne Worte. Einfach.
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