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Samstag, 11. Juni 2022
Merkwürdige Geschichte
sogesehen, 10:45h
Eine Polizistin spricht mich an. Auf nächtlicher Straße, mitten in Frankfurt. Was will sie von mir? Überhaupt, wie sieht sie denn aus? Das ist doch keine deutsche Uniform. Ihr Käppi erinnert mich an Schottland, an schottische Beamte.
Was sie fragt oder sagt, dringt nicht zu mir durch. Als hätte ich mein Gehör verloren. Oder den Verstand ausgeschaltet. Dennoch antworte ich freundlich und im gleichen Augenblick verwandelt sie sich. Wird zu einer amerikanischen Touristin und bittet mich um eine Stadtführung.
Woher weiß sie, dass ich Gästeführerin bin? Ich bin verwirrt, irritiert und misstrauisch. Doch sie, die Touristin, schleppt mich zur nahegelegenen Touristinformation. Die Räumlichkeiten darin irritieren mich noch mehr. Sie sind diametral entgegengesetzt den Gebäuden dieser Stadt. Hier ist alles hochmodern ausgestattet. Ein "Office", das sich so mancher erträumen würde. Aber auch: sachlich, kühl, distanziert. Wie das Personal.
Die Touristin will mich hier offiziell buchen. Ich erkläre, dass ich nicht gemeldet bin. Ja, dann geht das nicht, ist die kühle, klare Absage der Sachbearbeiterin des Büros. Aber ich könne ja selbst ... Okay, dann bin ich, sind wir, nicht versichert. Der Touristin ist das egal. Sie will mich für die Führung.
Zurück auf der Straße im nächtlichen Dämmerlicht, schaue ich mich um. Ich erkenne gar nichts. Nicht die Straße und schon gar nicht die Gebäude. Die sind alle groß, wuchtig und sehr grau. Dunkelgrau. Mächtige Häuser, die die Straße säumen bis hinauf zu einem höher gelegenen Platz mit noch mehr dieser geisterhaften, erdrückenden Architektur.
Die Touristin fragt mich nach berühmten Persönlichkeiten der Stadt. Ich habe keine Ahnung. Das hier ist nicht mein Frankfurt. Es ist eine alte Großstadt, die mich an irgendwas erinnert, aber ich komme nicht drauf, woran. Die Amerikanerin, die sehr gut deutsch spricht, obwohl wir uns wechselweise mal in ihrer, mal in meiner Muttersprache unterhalten, will nun auch noch etwas über die architektonische Geschichte der Stadt erfahren. Wieder muss ich passen und ich frage mich, weshalb sie mich nicht längst gefeuert hat. Mein Honorar ist garantiert hin, so unwissend, wie ich bin. Nicht einmal die Stadt, den Ort, erkenne ich. Dass er mich an Edinburgh erinnert, kommt mir erst Tage später in den Sinn.
Sie will jetzt weiter und meint, eine Abkürzung zu kennen. Doch der Weg endet in einer Sackgasse in der Jugendliche rumhängen, die auch nicht weiter wissen.
Wenigstens auf meinen Orientierungssinn ist Verlass und ich führe uns zurück zur Hauptstraße. Unterwegs verliert sich die Touristin im Irgendwo und ich wache auf. Die Bilder der Stadt brennen sich in mein Tagesbewusstsein und verfolgen mich noch tagelang.
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Was sie fragt oder sagt, dringt nicht zu mir durch. Als hätte ich mein Gehör verloren. Oder den Verstand ausgeschaltet. Dennoch antworte ich freundlich und im gleichen Augenblick verwandelt sie sich. Wird zu einer amerikanischen Touristin und bittet mich um eine Stadtführung.
Woher weiß sie, dass ich Gästeführerin bin? Ich bin verwirrt, irritiert und misstrauisch. Doch sie, die Touristin, schleppt mich zur nahegelegenen Touristinformation. Die Räumlichkeiten darin irritieren mich noch mehr. Sie sind diametral entgegengesetzt den Gebäuden dieser Stadt. Hier ist alles hochmodern ausgestattet. Ein "Office", das sich so mancher erträumen würde. Aber auch: sachlich, kühl, distanziert. Wie das Personal.
Die Touristin will mich hier offiziell buchen. Ich erkläre, dass ich nicht gemeldet bin. Ja, dann geht das nicht, ist die kühle, klare Absage der Sachbearbeiterin des Büros. Aber ich könne ja selbst ... Okay, dann bin ich, sind wir, nicht versichert. Der Touristin ist das egal. Sie will mich für die Führung.
Zurück auf der Straße im nächtlichen Dämmerlicht, schaue ich mich um. Ich erkenne gar nichts. Nicht die Straße und schon gar nicht die Gebäude. Die sind alle groß, wuchtig und sehr grau. Dunkelgrau. Mächtige Häuser, die die Straße säumen bis hinauf zu einem höher gelegenen Platz mit noch mehr dieser geisterhaften, erdrückenden Architektur.
Die Touristin fragt mich nach berühmten Persönlichkeiten der Stadt. Ich habe keine Ahnung. Das hier ist nicht mein Frankfurt. Es ist eine alte Großstadt, die mich an irgendwas erinnert, aber ich komme nicht drauf, woran. Die Amerikanerin, die sehr gut deutsch spricht, obwohl wir uns wechselweise mal in ihrer, mal in meiner Muttersprache unterhalten, will nun auch noch etwas über die architektonische Geschichte der Stadt erfahren. Wieder muss ich passen und ich frage mich, weshalb sie mich nicht längst gefeuert hat. Mein Honorar ist garantiert hin, so unwissend, wie ich bin. Nicht einmal die Stadt, den Ort, erkenne ich. Dass er mich an Edinburgh erinnert, kommt mir erst Tage später in den Sinn.
Sie will jetzt weiter und meint, eine Abkürzung zu kennen. Doch der Weg endet in einer Sackgasse in der Jugendliche rumhängen, die auch nicht weiter wissen.
Wenigstens auf meinen Orientierungssinn ist Verlass und ich führe uns zurück zur Hauptstraße. Unterwegs verliert sich die Touristin im Irgendwo und ich wache auf. Die Bilder der Stadt brennen sich in mein Tagesbewusstsein und verfolgen mich noch tagelang.
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